Deutsch-Französische Gesellschaft Warendorf e. V.  - gegründet am 15. März 1963

50 Jahre Deutsch-Französische Gesellschaft Warendorf e.V. (16. 3. 2013)

Am 16.03.2013 feierte die DFG-Warendorf ihr 50-jähriges Bestehen. Zu diesem Anlass waren auch ein Dutzend Barentiner Freunde angereist. Bürgermeister Walter hatte uns für den Festakt den Ratssaal im historischen Rathaus zur Verfügung gestellt. Die Festredner waren Dr. Dietmar Kantrowitsch, Bürgermeister Walter, der Barentiner Bürgermeister Bentot (auf deutsch!!!, wie im Februar versprochen) sowie der VDFG-Präsident Gereon Fritz. Außerdem erinnerten in einer Rückblende Stadtdirektor a.D. Schmeichel und Rolf Zurbrüggen an die Anfänge der DFG-Warendorf. Umrahmt werden sollte der Festakt von einer Bläsergruppe, leider haben sie uns versetzt. 4 Sänger aus Pavilly sprangen spontan ein. Wohl dem, der einen solchen “Ersatz” hat - es war ein Hochgenuss. Anschließend waren alle Gäste zu einem Sektempfang im Saal des 1. Stocks eingeladen.

Zum Abschluss der Jubiläumsfeierlichkeiten gab es im Hotel Mersch ein Diner-Cabaret. Zu einem französischen 3-Gänge-Menü gab es zwischen den Gängen eine Französisch-Stunde von dem Kabarettisten Etienne Gillig - ein Schmaus für Zunge und Ohren.

Zeitungsbericht “Westfälische Nachrichten” vom 18.03.2013 Hanna Heseker

„Das ist deutsch-französische Kooperation: Die Franzosen helfen den Deutschen mal wieder aus der Patsche.“ Mit diesen Worten begann der Vorsitzende, Dr. Dietmar Kantrowitsch, seine Rede zum 50. Geburtstag der Deutsch-Französischen Gesellschaft (DFG) Warendorf. Hintergrund: Eigentlich hätten, wie es sich gehört, Trompeten und Posaunen die Feierstunde im voll besetzten Rathaussaal eröffnen sollen. Doch das Bläserensemble schien den runden Geburtstag vergessen zu haben. Spontan sprang das Ensemble „Pavagansa“ aus dem französischen Pavilly ein und improvisierte einen mehr als gelungenen musikalischen Auftakt im festlich geschmückten historischen Saal, dessen Wände die deutsche, französische und europäische Flagge zierten, wurden an diesem Vormittag zahlreiche Reden gehalten. Darin trat natürlich eine Frage immer wieder in den Vordergrund: Wie fing eigentlich alles an? Am 15. März 1963 wurde die DFG Warendorf im Hotel „Im Engel“ gegründet, kaum zwei Monate, nachdem Bundeskanzler Konrad Adenauer und Präsident Charles de Gaulle den Elysée-Vertrag am 22. Januar 1963 unterzeichnet hatten. Der damalige Oberstudienrat Wilhelm Reichelt wurde zum ersten Vorsitzenden ernannt. „Damals wie heute ist eine enge Zusammenarbeit zwischen DFG und Volkshochschule (VHS) quasi vorprogrammiert, denn der Volkshochschulleiter war bereits im Gründungsvorstand als zweiter Vorsitzender vertreten, so wie dies auch heute in Person von Leiter Rolf Zurbrüggen der Fall ist“, so Kantrowitsch. „Es war nicht allein der Elysée-Vertrag, der die voneinander getrennten Nationen wieder zusammenschweißte – es waren die Menschen vor Ort, die einen wesentlichen Beitrag zur deutsch-französischen Aussöhnung geleistet haben. Und in Warendorf hat die Deutsch-Französische Gesellschaft diese wichtige Aufgabe übernommen“, so Bürgermeister Jochen Walter, der dem Vorsitzenden zum Dank ein Geschenk im Namen des Rates und der Verwaltung der Stadt Warendorf überreichte. Als geeignete Partnerstadt hatte man zunächst Saumur, im Übrigen eine Pferdestadt wie Warendorf, ins Visier genommen. Als jedoch keine Rückmeldung kam, entstand der Kontakt nach Barentin. „Nach näherem Kennenlernen des charismatischen Bürgermeisters André Marie, der ganz besonders unter den Nazis gelitten hatte und die Versöhnung als sein persönliches Anliegen betrachtete und mit großer Energie vorantreiben wollte, erfolgte nach mehreren Besuchen am 11. April 1965 im Rathaus zu Warendorf die feierliche Beurkundung der Partnerschaft (Jumelage) zwischen den beiden Städten“, erinnerte Kantrowitsch. Die Urkunde hängt noch heute im Rathaussaal. Das Amüsante daran: Die beiden Bürgermeister, Dr. Hans Kluck und André Marie, haben an der falschen Stelle unterschrieben. „Die Begegnung dieser Männer, die nur 20 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs alles hätte trennen müssen, nahm in Barentin eine starke symbolische Bedeutung ein“, erklärte der heutige Bürgermeister von Barentin Michel Bentot. Kluck und Marie hätten damals bereits verstanden, „dass nur eine tiefgründige Kenntnis zwischen den beiden Völkern und den Gemeinden unserer beiden Städte die Rückkehr eines Konflikts für immer verhindern würde“. Bentot schätzt die Partnerschaft mit Warendorf sehr: „Nach jeder Begegnung kehren wir reicher als wir es vorher waren nach Barentin zurück.“ Im Anschluss überreichte er Kantrowitsch die Ehrenmedaille der Stadt Barentin. Doch nicht nur die Vergangenheit spielte beim 50-jährigen Jubiläum eine wichtige Rolle. Auch die Zukunft hatte einen wichtigen Stellenwert. In seinem Gespräch mit Rolf Zurbrüggen, dem stellvertretenden Vorsitzenden der DFG, erwähnte Hellmuth Schmeichel, langjähriger Stadtdirektor von Warendorf (1967-1991): „Wir können noch so viel politische Absprachen treffen, Verträge schließen, wenn nicht von unten her das Blut in die Adern fließt, oder vom Herzen her, dann wird das nichts, dann stirbt die Freundschaft ab. Wir werden nie wieder Feindschaft haben, aber es muss eine lebhafte Freundschaft bleiben. Das kann man nur erreichen, wenn man versucht, von der Jugend her, von den Schulen her, die jungen Menschen zu motivieren und zu überzeugen, dass es das Wichtigste ist, mit den allernächsten Nachbarn eine gute Freundschaft zu pflegen.“ Schmeichel findet, dass die Schulen Wert darauf legen sollten, den Gedanken der Aussöhnung zu bewahren, damit zwischen Deutschland und Frankreich nie wieder Spannungen dieser Art entstehen können. Diese Ansicht teilt auch Kantrowitsch, der betonte, dass das Deutsch-Französische nicht in Routine erstarren dürfe, sondern dass die Freundschaft stetig gepflegt werden müsse. „Wenn es uns gelingt, den nachfolgenden Generationen deutlich zu machen, dass Freundschaft und Kooperation kein Besitz sind, sondern immer wieder neu errungen und gepflegt werden müssen, dass die Überwindung von Grenzen jeder Gestalt keine Selbstverständlichkeit ist, sondern Kraft braucht, nach Dialog und Diskurs ruft, dass die Sehnsucht der großen Denker aller Zeiten nach einem in Frieden geeinten Europa in Verantwortung auch für die Welt Realität werden kann, dann braucht uns um die Zukunft nicht bange zu werden“, so Gereon Fritz, Präsident der Vereinigung Deutsch-Französischer Gesellschafter für Europa (VDFG). Bürgermeister Walter sprach für alle Anwesenden, als er zusammenfasste: „Wir haben viel erreicht, aber es gibt noch viel zu tun! Packen wir es an!“