Deutsch-Französische Gesellschaft Warendorf e. V.  - gegründet am 15. März 1963

Mit dem Bus ins Elsass (19 - 23. 9. 2013)
von Peter Kremerskoothen

 

Mehr als vierzig Personen nahmen an der viertägigen Busreise ins Elsass teil, die von der Deutsch-Französischen Gesellschaft Warendorf e.V., dem Deutsch-Französischen Freundschaftskreis Beelen e.V. und dem Partnerschaftskomitee Freckenhorst-Pavilly e.V. vom 19. bis 23. September gemeinsam veranstaltet wurde. Die erste Etappe der Fahrt begann am letzten Donnerstag um 5:30 Uhr in Beelen, führte dann über Freckenhorst und Warendorf nach Straßburg, wo sie kurz nach 13:00 endete. Nach einer zweistündigen Mittagspause vermittelte ein ortsansässiger Führer zunächst im Bus während einer Stadtrundfahrt einen Gesamteindruck von der Hauptstadt der Region Alsace und ihren historischen Sehenswürdigkeiten als auch von den Standorten des Europäischen Parlaments, des Europa Rates und des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte. Dabei berichtete er auch von der wechselvollen deutsch-französischen Geschichte der heute ostfranzösischen Region Alsace, die die Départements Haut Rhin und Bas-Rhin mit Straßburg als Hauptstadt umfasst. Nach der Besichtigung des Straßburger Münsters „Notre-Dame“, einem Prachtbau mit romanischem Chor und gotischem Mittelschiff, der Ende des 11. Jahrhunderts begonnen und in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts fertig gestellt wurde, wurden während der Stadtführung unvergessliche Eindrücke von den an der Ill gelegenen Kirchen, Fachwerk-, Herren- und Bürgerhäusern der letzten Jahrhunderte gewonnen. Das gemeinsame Abendessen wurde im Alten Zollhaus eingenommen und umfasste zwischen Vorspeise und dem Dessert den für das Elsass typischen Flammkuchen, der mit heimischem Bier oder, noch besser, mit elsässischem Riesling genossen, ganz hervorragend schmeckte. Am zweiten Tag erfolgte die Besichtigung des Europäischen Parlaments unter kompetenter Führung, die nicht nur das moderne Parlamentsgebäude mit seiner modernen, bewusst nicht vollendet wirkenden Architektur erläuterte, sondern auch über die parlamentarische Arbeit der Abgeordneten berichtete. Interessant war zu erfahren, dass die z. Zt. 754 Abgeordneten nicht nach ihren Staatsangehörigkeiten organisiert sind, sondern nach ihrer politischen Zugehörigkeit in acht internationalen Fraktionen. Die z. Zt. stärkste Fraktion ist die EVP (Christdemokraten) mit 271 Abgeordneten, davon 42 deutsche, aus 27 Nationen. Da die Abgeordneten ihre festen Wohnsitze in den Heimatländern haben und ihre Arbeit im Europäischen Parlament in Straßburg sowie in Brüssel leisten, streben sie zur Vermeidung des hohen Aufwandes an Reisezeit und -kosten einen Umzug nach Brüssel an, was für Straßburg sowohl einen wirtschaftlichen als auch einen Prestigeverlust bedeuten würde. Den Nachmittag und Abend verbrachten die Reisenden privat und folgten ihren eigenen Interessen z. B. durch einen Stadtbummel, eine Bootsfahrt auf der die Stadt durchziehende Ill und in einem Abendessen in einem der urigen elsässischen Restaurants der Innenstadt oder dem Petite France, wobei der erfrischende Riesling zu dem elsässischen Sauerkrautgericht mit Kartoffeln, Bauchspeck und Würsten nicht fehlen durfte. Die Fahrt nach Colmar, der Hauptstadt des Départements Haute Rhin, führte am Samstag bei schönem Wetter durch das weite,fruchtbare Rheintal mit dem Schwarzwald am östlichen Horizont und den Vogesen mit ihren Burgen im Westen. Colmar liegt an der elsässischen Weinstrasse mit etwa 60 km gleich weit entfernt von Straßburg im Norden und Basel im Süden und war schon im Mittelalter eine bedeutende Handelsstadt, was sich nicht nur in den prachtvollen Kirchen, Museen sowie Gerichts- und Verwaltungsgebäuden sondern auch in den alten Kauf- und Bürgerhäusern widerspiegelt. Besonders erwähnenswert ist das „Maison de têtes“, dessen Giebelwand mit mehr als 100 Köpfen verziert ist, von denen keiner dem anderen gleichen soll. Bei einem Spaziergang durch das von dem Flüsschen Lauch durchflossenen Viertel Krutenau waren besonders malerische Häuser und Brücken zu sehen. Nach dem Mittagessen wurde wieder die Rückfahrt nach Straßburg angetreten, die einmal in Riquewihr und einmal in Wolxheim unterbrochen wurde. Riquewihr, eine kleine, malerische Stadt, die sich selbst Perle des Weinbergs nennt und am Osthang der auslaufenden Vogesen liegt, wird im Norden und Süden von Weinbergen eingefasst, aus denen hervorragende Weine schon seit dem Mittelalter zum Wohlstand der Stadt mit ihren herrlichen Fachwerkhäusern führte. In Wolxheim, einem Winzerdorf in der Nähe, westlich von Straßburg gelegen, wurde bei einem Winzer, der mit seiner Familie einen 9 ha großen Weinberg bewirtschaftet, eine Weinprobe durchgeführt, nachdem zuvor das Ehepaar den Betrieb und dessen Bewirtschaftung erklärt hatte. Die Mehrzahl der Reisenden kauften aus dem Angebot von 13 Weinen und zwei „Crémants“ - Champagner der außerhalb der Champagne nicht so benannt werden darf - einige Flaschen für zu Hause. Der Abend in Straßburg stand den Reisenden zur freien Verfügung und endete für die meisten mit einem gemütlichen Abendessen und -trinken nach elsässischer Art. Am Sonntagvormittag hieß es Abschied zu nehmen vom Elsass, von dem nicht nur das gute Essen und der Riesling in Erinnerung bleiben werden, sondern insbesondere auch die historischen Gebäude in den Städten mit ihrem reichlichen Blumenschmuck. Die Rückreise führte durch das Gemüse- und Weinanbaugebiet von Rheinland-Pfalz zunächst zum im hügeligen Rheingau gelegenen Zisterzienser Kloster Eberbach, wo nach der Mittagspause eine Führung durch die Abtei erfolgte, bei der viel Interessantes über die Geschichte des Klosters vom 12. Jahrhundert bis heute berichtet wurde. Im Jahre 2008 wurde das Kloster in die Liste der „Schutzwürdigen Kulturgüter“ aufgenommen, das seit 1998 mit seinen großen Weinanbauflächen und sonstigen landwirtschaftlichen Nutzflächen vom Land Hessen in die Stiftung „Kloster Eberbach“ eingebracht wurde, die die Aufgabe hat, die Anlage zu unterhalten und schonungsvoll zu nutzen sowie die traditionelle Weinbautradition zu bewahren. Die hervorragenden Weine aus eigenem Anbau werden von der Stiftung selbst vermarktet und tragen somit zur Kostendeckung der Stiftung bei. In der einsetzenden Dämmerung endete schließlich die viertägige Tour mit zufriedenen Teilnehmern in Freckenhorst, Warendorf und Beelen. Bericht von Peter Kremerskothen

Bilder aus Straßburg

 

Bilder aus Colmar

 

Bilder aus Kloster Ebert